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18.04.12 11:43

Jahrespressegespräch 2012



2011 war ein Jahr mit zwei Gesichtern – Umsatz gestiegen, Produktion leicht rückläufig
• Hohe Rohstoff- und Energiekosten sowie schwache Konjunktur drücken auf die Margen
• Mit über 50% erneuerbarer Energie Leitbranche der „low carbon bio-economy“
• Nachhaltigkeitsbericht bestätigt weitete Fortschritte bei sozialen und ökologischen Themen

 

Pfarl: Dynamik des Aufschwungs erlahmt – 2012 warten neue Herausforderungen

Die heimische Zellstoff- und Papierindustrie bekam 2011 wenig vom Aufschwung zu spüren. „Unsere Einschätzung für 2011 hat sich als richtig erwiesen - die Unternehmen mussten der neuerlichen Eintrübung des internationalen Konjunkturumfeldes und der damit verbundenen rückläufigen Nachfrage vor allem im zweiten Halbjahr Tribut zollen. Zusätzlich hinterlassen hohe Rohstoff-und Energiekosten deutliche Spuren und ließen die Ergebnisse der Unternehmen kaum vorankommen. Die schwungvolle Dynamik des Aufschwungs 2010 setzte sich im Vorjahr nicht fort, und auch im schwierigen Jahr 2012 sehen wir große Herausforderungen und keinen Grund zur Euphorie, allenfalls im zweiten Halbjahr eine leichte Verbesserung des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes. Erhebliche Risiken bleiben vor allem die hohe Staatsverschuldung in der Eurozone und der steigenden Ölpreis, auch die Budgetsanierungspakete werden sich dämpfend auswirken. Dennoch stehen viele Betriebe auf Grund ihrer ökonomischen Leistungsfähigkeit und ihrer unternehmerischen Exzellenz besser da als in vielen anderen Ländern. Dies hilft ihnen dabei, das schwierige konjunkturelle Fahrwasser unbeschadet zu durchkreuzen und Kurs auf neue Ziele zu setzen. Sie sind dabei weiterhin auf rigoroses Kostenmanagement angewiesen und benötigen möglichst flexible Arbeitszeitmodelle“, beschrieb Dkfm. Wolfgang Pfarl, Präsident der Austropapier – Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie, den langen Weg der Branche zum Aufschwung.


Skilich: 2011 Jahr mit zwei Gesichtern – Investitionsquote verharrt auf niedrigem Niveau

Auch in der Umsatz- und Mengenentwicklung zeigte sich 2011 als Jahr mit zwei Gesichtern. „Die Branche steigerte zwar auf Grund teils verbesserter Erlöse ihren Gesamtumsatz um über 6 Prozent auf 4,02 Milliarden Euro und erzielte damit einen neuen Höchstwert. Da aber wichtige Vorkosten – vor allem die Rohstoffe Zellstoff, Altpapier und Holz – deutlich anstiegen und preisliche „all-time-highs“ erreichten, konnten die Ergebnisse vieler Unternehmen mit der positiven Umsatzentwicklung nicht Schritt halten. Die Betriebe hielten sich daher mit ihren Investitionen im Inland neuerlich stark zurück, diese lagen 2011 mit 110 Millionen Euro zum siebenten Mal in Folge deutlich unter dem Durchschnitt der letzten zwanzig Jahre. Krisenjahre, Überkapazitäten und unsichere Rahmenbedingungen, etwa in der Energiepolitik, haben sich deutlich negativ auf die Investitionsquote ausgewirkt. Auch 2012 wird der in Europa mittelfristig schwache Papiermarkt keine großen neuen Impulse setzen. Investitionsschwerpunkte der Branche in Österreich bleiben vorerst die Rohstoff- und Energieversorgung“, erklärte Austropapier-Vizepräsident DI Christian Skilich, Operations Director von Mondi Europe & International.


Oberhumer: Schwierige Marktbedingungen beschleunigen Restrukturierung im grafischen Bereich

Die Gesamtproduktion an Papier, Karton und Pappe ging 2011, analog zur europäischen Entwicklung, mit einem Minus von 2,2 Prozent leicht zurück und lag mit 4,9 Millionen Tonnen deutlich unter dem Rekordjahr 2006. Positiv entwickelten sich Zeitungsdruckpapier mit einem Plus von 3,6 Prozent und Dünn- und Spezialpapiere mit plus 1,1 Prozent, die anderen Sortimente verzeichneten Rückgänge: Druck- und Schreibpapiere (-3,5%), Kraftpapiere (-3,6%), andere Verpackungspapiere (-0,9%), Faltschachtelkarton(-1,9%) sowie Wickel-und Spezialpappe(-0,6%). Die Kapazitätsauslastung sank von 92 auf 90 Prozent. „Die Produktion im grafischen Sektor ist – nicht zuletzt auch durch die Schließung der Papierproduktion in Hallein 2009 – weiterhin rückläufig. Anhaltend schwierige Marktbedingungen beschleunigen in diesem Sektor den Restrukturierungs-prozess. Europaweit lag Österreich 2011 exakt im EU-Schnitt – während Portugal, Großbritannien, Polen, Italien, Spanien, Belgien und Schweden ihre Produktion gesteigert haben, mussten Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Finnland, Norwegen und einige andere Länder vergleichbare oder sogar größere Rückgänge in Kauf nehmen. Sehr erfreulich ist allerdings die auf 85,8 Prozent gestiegene Exportquote unserer Produktion. Trotz schwierigen Umfelds und hohen Produktionskosten können sich heimische Papierfabriken erfolgreich am Weltmarkt behaupten. Größte Abnehmermärkte waren, neben dem Inlandsmarkt, Deutschland und Italien. Der Export in mittel- und osteuropäische Staaten, wie etwa Polen, Tschechien und Rumänien, konnte gesteigert werden. Nach Übersee wurden immerhin fast 800.000 Tonnen Papier verschifft, doch umgekehrt drängt in zunehmendem Ausmaß Papier aus Fernost auf den europäischen Markt. Importregulierungen auf EU-Ebene sind hier voraussichtlich nur eine Zwischenlösung“, beschrieb Dr. Max Oberhumer, Geschäftsführer von Sappi Austria und Austropapier-Energiesprecher, die starke internationale Verflechtung des Papiermarktes.

 

Pfarl, Skilich, Oberhumer: Rohstoff- und Energiepolitik bleiben wichtige Standortfaktoren

Mit einem Anteil von bereits über 50 Prozent erneuerbarer Energie, gemessen am Gesamtenergieeinsatz, ist die Zellstoff- und Papierindustrie eine Leitbranche, ein „frontrunner“ der low-carbon bio-economy, also der CO2-armen Wirtschaft, die als gesellschafts- und wirtschaftspolitisches Ziel der EU formuliert wurde. Holz- und Papierprodukte speichern CO2 und tragen zum Klimaschutz bei, innovative und umweltfreundliche Technologien eröffnen den Unternehmen neue Perspektiven.

Eines der Schlüsselthemen der Branche bleibt die Herausforderung der nachhaltigen Versorgungssicherheit mit Rohstoffen. „Im Rahmen von FHP, der Kooperationsplattform Forst Holz Papier, arbeiten wir gemeinsam mit der gesamten Wertschöpfungskette an Lösungsansätzen, wie etwa der Forcierung der Bewirtschaftung durch Hof-ferne Waldbesitzer, und dem Anbau von schnell wachsenden Energiehölzern. Die Frage nach der gesicherten langfristigen Verfügbarkeit von Holz zur stofflichen und energetischen Verwertung können wir nur gemeinsam erfolgreich beantworten. Dabei steht die kaskadische Nutzung im Vordergrund, nur sie ermöglicht höchste Ressourceneffizienz und Wertschöpfung“, waren sich Pfarl, Skilich und Oberhumer einig. Auch beim Altpapier zeichnet sich Handlungsbedarf zur verbesserten Rohstoffsicherung ab, da es ansonsten zur Gefährdung von Ressourceneffizienz- und Klimaschutzzielen kommen könnte.

Klare Worte gab es auch zu heißen standortpolitischen Themen, wie etwa dem EU-Emissionshandel. „Energie- und Klimaschutzpolitik ist ein entscheidender Faktor im internationalen Standortwettbewerb. Nicht regionale oder nationale Energieautarkie, sondern eine stabile europäische Energieversorgung mit harmonisierten Regeln und funktionierendem Wettbewerb muss unser Ziel sein. Energiekosten machen in manchen österreichischen Papierfabriken trotz des hohen Eigenversorgungsgrades bei Strom und der im internationalen Vergleich ausgezeichneten Energieeffizienz oft bereits ein Viertel der Produktionskosten aus. Ab 2013 kommen Kosten in Millionenhöhe für den verpflichtenden Ankauf von CO2-Zertifikaten dazu. Politische Eingriffe in diesen Markt, wie etwa das set-aside von Zertifikaten zur künstlichen Verteuerung der CO2-Preise, oder die Streichung der Carbon-Leakage-Regelung ohne verbindliches internationales Klimaabkommen, sind strikt abzulehnen“, so die Branchensprecher im Rahmen des Austropapier-Jahrespressegespräches.

 

Dworak: Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert Fortschritte – Zukunftsthema Roadmap 2050

Mit dem neunten Austropapier-Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert die Branche ihre Fortschritte, Herausforderungen und Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung. „Papier ist ein Evergreen, dessen Erzeugung, Nutzung und Wiederverwertung von Kreisläufen geprägt ist“, beschrieb Austropapier-Geschäftsführer DI Oliver Dworak die Erfolgsfaktoren der Branche. „Unser Nachhaltigkeitsbericht, der von plenum, der Gesellschaft für ganzheitlich nachhaltige Entwicklung, gemäß den Kriterien der Global Reporting Initiative (GRI) geprüft wurde, fasst die Entwicklungen der Branche in den drei Dimensionen Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft kompakt zusammen und verknüpft sie mit unserem Branchenleitbild. Darüber hinaus sprechen wir im Bericht auch neue Themen an – heuer sind dies insbesondere die Frauenbeschäftigung, sowie einige neue ökologische Parameter. Weiters haben wir ein Nachhaltigkeits-Managementprogramm erarbeitet, das wir konsequent weiterentwickeln wollen. Ein Roundtable zum Zukunftsthema „2050 Roadmap to a low-carbon bio-economy“ sowie detaillierte Informationen über unsere Partner in der Wertschöpfungskette, von der Kooperationsplattform Forst Holz Papier bis zu den Bereichen Druck, Medien und Papierverarbeitung, runden unseren Nachhaltigkeitsbericht ab“, so Dworak abschließend.

Rückfragen 
Austropapier – Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie
DI Oliver Dworak
Tel: 01 – 588 86 ~ 234 
Fax: 01 – 588 86 ~ 222 
dworak@austropapier.at 

 


PRIMA-Conference
26.-28.05.2013, Wien

Österreichische Forsttagung
5.-7-06.2013, Murau

Zellcheming
12.-14.06.2013, Wiesbaden 

ungewöhnlich gewöhnlch
Lesung 13.06.2013
Galerie Hrobsky 
Grünangergasse 6, Wien

printissimo|emballissimo|fibrePLUS
Award Galaabend
18.06.2013, Gasometer Wien

European Paper Recycling Awards 2013
Einreichschluss: 28. Juni 2013

Österr. HOLZgespräche 
7.11.2013, Innsbruck

40. Internationales DITP Jahressymposium
20.-21. November 2013, Bled, Slowenien

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