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Industrie hilft Energiesystem der Zukunft zu sichern

Wichtige Beiträge der Industrie zur Erreichung der Klimaziele könnten die Nutzung freier Abwärmepotenziale und ein Zugang in den Markt für Engpassmanagement sein.

Die österreichische Industrie hat enorme Reserven im Bereich Abwärme. Sie ist dadurch in der Lage, als Energiepartner wichtige Beiträge für den Energiemarkt zu leisten. Wer den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energie ernst nimmt, muss die bestehenden Potenziale der Industriebetriebe nutzen – anstatt neue Kraftwerke zu bauen. Der beste Weg dazu wären Investitionsförderungen für Nah- und Fernwärmeanschlüsse. So würde die Bereitstellung von thermischer Energie aus industriellen Prozessen leistbar. Die innerbetriebliche Nutzung von Abwärme ist für Papierfabriken bereits eine logische betriebswirtschaftliche Maßnahme. In der gesamten Industrie gibt es laut einer Studie von KPC (Kommunalkredit Public Consulting) enorme Abwärmepotenziale zur Fern- und Nahwärmeversorgung. Damit könnten 70.000 Haushalte direkt beheizt und weitere 75.000 an Nahwärmenetze angeschlossen werden. Doch diese Reserven bleiben meist ungenutzt. Stattdessen werden neue Kraftwerke gebaut und gefördert. „Für Industriebetriebe - wie in der Papierindustrie - wäre das eine gute Möglichkeit, ihre freie Abwärme zu vermarkten. Und obendrein würden dadurch noch Ressourcen eingespart,“ erklärt Gabriele Herzog, Geschäftsführerin von Austropapier, die Win-Win-Situation. Durch leichteren Zugang zum Regelenergiemarkt sowie Anreize bei den Energiepreisen und Netztarifen, könnten Industriebetriebe ihre Kraftwerksleistungen anpassen und damit außerdem entscheidend zur Netzstabilität beitragen. Eine solche Leistung wäre ganz im Sinne eines zeitgemäßen Engpassmanagements bzw. des Redispatch-Marktes. Insbesondere der rasche Ausbau von Wind- und Solaranlagen lässt die Stromproduktion insgesamt stark schwanken. Dadurch stoßen Netze mehr denn je an ihre Grenzen. Ein Überangebot an Strom ist dabei genauso schlecht wie ein Unterangebot und erfordert ein Einschreiten des Regelzonenführers APG. Das lässt die Kosten, um das Netz in Balance zu halten und Blackouts zu vermeiden, in die Höhe schießen. Durch Anpassung ihrer Kraftwerksleistungen sind industrielle Unternehmen fähig, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. „Insbesondere Papierfabriken, die erneuerbare Rohstoffe verarbeiten und aus den nicht mehr verwertbaren Produktionsreststoffen Ökostrom erzeugen, haben hier enormes Potential“, sagt Herzog. Schon wenige gezielte gesetzliche Maßnahmen könnten einerseits das Netz entscheidend stabilisieren und andererseits Wettbewerbsnachteile der österreichischen Industrie gegenüber Nachbarländern mindern. Dazu wären – wie in anderen europäischen Staaten – die Abgaben und Steuern für systemdienliches Verhalten zu senken. Eine Grundvoraussetzung dafür ist die Öffnung des Engpassmanagements für jene Industriebetriebe, die durch Anpassung ihrer Kraftwerksleistung oder Abstellung von Produktionsanlagen einen Beitrag zur Netzstabilität leisten können. Um die vorhandenen Potenziale der Industriebetriebe zu erschließen, braucht es Maßnahmen und Anreize zur Überwindung der finanziellen und technischen Herausforderungen. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass langfristige Planbarkeit für Industriebetriebe enorm wichtig ist. Oft scheitert z.B. der Anschluss von industrieller Abwärme an der fehlenden Finanzierung der Anschlusskosten bzw. der mangelnden Amortisierung bei niedrigem Energiepreis. Auch die fehlende Pufferspeicherung bei Diskontinuität der Abwärme bzw. die mangelnde Möglichkeit zur Speicherung der Wärme im Netz sind für Industriebetriebe ein Problem. Zusätzlich bergen die strikten Verpflichtungen, der Wärmeversorgung konstant nachkommen zu müssen, ein hohes unternehmerisches Risiko. Erst eine Neugestaltung des Contractings ließe hier für Industriebetriebe neue Geschäftsmodelle entstehen.

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Die Papierindustrie in Österreich
Die österreichische Papierindustrie hat durch ihren Bedarf an natürlichen Rohstoffen eine lange Tradition in Sachen Nachhaltigkeit. Der 100%ige Bezug von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, mehrfaches Recycling und mehrstufige Abwasserreinigung sind mittlerweile Standard. Die kaskadische Holznutzung -Mehrfachnutzung, Recycling und abschließende thermische Verwertung - und damit einhergehend die optimale Verwertung des wertvollen Rohstoffes Holz hat sie zur Leitbranche der kreislaufbasierten Bioökonomie gemacht. Mittlerweile erzeugen 24 Betriebe 5 Millionen Tonnen Papier und 2 Millionen Zellstoff pro Jahr und zusätzlich noch Textilien, Nahrungsmittelzusatzstoffe, wie Kaugummizucker oder den Geschmacksstoff Vanillin. Auch zahlreiche Vorprodukte für die chemische Industrie kommen mittlerweile aus der Papierindustrie und ersetzen erdölbasierte Stoffe. Durch intensive Forschung an weiteren neuen Erzeugnissen aus Holzbestandteilen entwickelt sich die Branche zunehmend in Richtung Bioraffinerie. Im Holz steckt noch viel Potenzial für die Zukunft.

Rückfragen:
Julia Löwenstein
Austropapier Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +43 1 588 86 DW 294
Mail: julia.loewenstein@austropapier.at