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Ressource Holz nachhaltig nutzen-die UBA Studie

Holz ist einer der wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe für die Substitution fossiler Rohstoffe. Umso entscheidender ist die nachhaltige Nutzung der Ressource Holz. In einer neuen Studie haben ExpertInnen des Umweltbundesamtes Umwelt- und Wertschöpfungseffekte der stofflichen und energetischen Nutzung von Holz analysiert. Wird Holz zukünftig in deutlich höherem Ausmaß als bisher als erneuerbarer Energieträger eingesetzt, steigt der Nutzungsdruck auf die europäischen Holzressourcen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten für die stoffliche und energetische Nutzung sind die Folge.

„Holz ist eine wichtige Ressource für die Energiewende. Umso wichtiger ist es, das Potenzial der stofflichen Nutzung hinsichtlich Wertschöpfung und Umwelteffekten bestmöglich auszuschöpfen, bei der energetischen Nutzung Effizienzkriterien bei der Energieumwandlung zu verbessern, und nicht zuletzt den Energieverbrauch insgesamt zu senken,“ empfiehlt Dr. Jürgen Schneider aus dem Umweltbundesamt. Die Studie „Effiziente Nutzung von Holz. Kaskade versus Verbrennung“ wurde vom Umweltbundesamt im Auftrag von Mondi AG, Zellstoff Pöls AG und Laakirchen Papier AG erstellt.

„Eine sichere, wettbewerbsfähige und nachhaltige Verfügbarkeit von Holz ist unabdingbar für die österreichische Papierindustrie. Die auch gesetzlich verankerte Priorisierung der kaskadischen Nutzung dieses wertvollen Rohstoffes – also veredeln vor verbrennen – ist letztlich auch eine Standort entscheidende Frage. Die vorliegende Studie stellt die Wertschöpfungs- und Umwelteffekte von stofflicher und energetischer Nutzung von Holz einander gegenüber. Sie liefert uns damit wertvolle Aussagen zur nachhaltigen Nutzung von Holz im Interesse von Wirtschaft und Umwelt. Die ebenfalls in der Studie enthaltenen Aussagen zu Optimierungspotentialen in den geltenden Fördersystemen für Ressourcen- und Energieeffizienz sind vor allem im Hinblick auf das Ökostromgesetz von besonderer Brisanz“, so MMag. Peter J. Oswald, CEO Mondi Europe & International.

Dr. Kurt Maier, CEO der Zellstoff Pöls AG, ergänzt: „Die fertiggestellte Studie zeigt sehr klar, wie Holz im Zusammenwirken von stofflicher und energetischer Nutzung eingesetzt werden soll. Die österreichische Zellstoff- und Papierindustrie hat diesem Umstand bereits in den letzten Jahren Rechnung getragen und umfangreiche Investitionen getätigt, um die Wertschöpfungskette für den wertvollen Rohstoff sowohl stofflich als auch energetisch zu erhöhen. Dass dafür aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Sinne einer Planungs- und damit Investitionssicherheit für die Zellstoffindustrie in Österreich fehlen, wird in der Studie ebenfalls sehr deutlich dargestellt.“

Die Ergebnisse der Studie
Die energetische Nutzung von Holz wurde in den letzten Jahren unter anderem zur Umsetzung der Klima- und Energieziele der EU-Mitgliedstaaten auch in Österreich gefördert, insbesondere durch das Ökostromgesetz, die Umweltförderung Inland, die Klimastrategie 2007, das Klimaschutzgesetz, den Klima- und Energiefonds und durch Förderprogramme der Länder und Gemeinden.

Dem positiven Effekt, die Minderung der Treibhausgas-Emissionen und die Reduktion der Abhängigkeit von Importen fossiler Energieträger, stehen EU-weit eine Reihe von möglichen negativen Effekten gegenüber: geringere Verfügbarkeit traditioneller Holzsortimente für die stoffliche Nutzung, knapper werdende Ressourcen, drohende Übernutzung des Waldes, steigende Importe und steigende Preise. Daraus resultieren zukünftig wirtschaftliche Schwierigkeiten für die stoffliche, aber auch in zunehmendem Maß für die energetische Nutzung, lautet die Konklusio der ExpertInnen des Umweltbundesamtes. In Österreich wurde in einigen Bereichen bei Großwaldbesitzern und den österreichischen Bundesforsten bereits eine Übernutzung des Waldes beobachtet, ein Mehrpotenzial an Holz ist nur mehr in der Durchforstung und im Kleinwald vorhanden. Derzeit ist allerdings nicht klar, wie dieses Potenzial realisiert werden kann.

Empfehlungen
Das hohe Potenzial der stofflichen Nutzung von Holz hinsichtlich Ressourceneffizienz, Wertschöpfung und Beschäftigungseffekten sowie Minderung der Treibhausgase durch Bindung von Kohlenstoff wird derzeit noch nicht zur Gänze genutzt. Die ExpertInnen des Umweltbundesamtes empfehlen, die nachhaltige Holznutzung zu optimieren. Dabei sind die nachhaltige Rohstoffversorgung, eine hohe stoffliche Nutzung, insbesondere eine Forcierung der kaskadischen Nutzung, die Entwicklung innovativer Produkte auf Basis von Holz und eine effizientere Energieumwandlung (etwa im Ökostrombereich) zu berücksichtigen. Darauf aufbauend können Forschungs-, Anreizförderungen und verbindliche Ziele für die stoffliche und energetische Nutzung entwickelt werden.

Im Fall der energetischen Nutzung u. a. zur Deckung der Nachfrage nach Wärme hat die Senkung des Energieverbrauches oberste Priorität.

Optimierungsbedarf orten die ExpertInnen auch in den bestehenden Fördersystemen hinsichtlich Ressourcen- und Energieeffizienz:

  • Österreich sollte eine klare Strategie entwickeln, wie eine nachhaltige Versorgung mit Holz für die stoffliche Nutzung (unter Berücksichtigung der Chancen, die eine biobasierte Wirtschaft bietet) und die energetische Nutzung optimiert werden können.
  • Wegen des großen Holzverbrauches und der Gefahr der Übernutzung der Waldflächen bei lokaler Deckung sollte eine Größenbeschränkung für die Gewährung der Abnahme- und Vergütungspflicht geprüft werden.
  • Die Gewährung von Einspeisetarifen gemäß Ökostromgesetz für Biomasseanlagen sollte auf Anlagen mit einem Wirkungsgrad von mindestens 70 % fokussiert werden.
  •  Der Nachweis der gesicherten Rohstoffversorgung und der Holzeinsatz (v. a. Art und Quelle) sollte zum Zwecke des effizienten Fördermitteleinsatzes anhand vorgegebener Kriterien von unabhängigen Sachverständigen regelmäßig überprüft werden.
  • Förderungen (z. B. nach dem Ökostromgesetz) sollten verbindlich an niedrige Emissionswerte für Staub und NOx geknüpft werden.
  •  Die im aktuellen Ökostromgesetz vorgesehene Möglichkeit der Gewährung von Nachfolgetarifen sollte neu ausgerichtet bzw. beschränkt werden.

    Download PDF der UBA Studie