Bioökonomie

VIDEO Unser Lied: Papierindustrie - So geht Bioökonomie

Bioökonomie und die Papierindustrie

Um den Kampf gegen den Klimawandel zu gewinnen, müssen wir neben unserer Art zu leben auch die Form des Wirtschaftens umstellen. Der Weg führt uns weg von Produkten aus fossilen hin zu Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen. Das Ziel dieser natur-orientierten Wirtschaftsform heißt „Bioökonomie“.

 

Was ist Bioökonomie?
Der Kampf gegen den Klimawandel sowie die Endlichkeit fossiler Rohstoffe verlangen von uns, etablierte Prozesse und Strukturen neu zu denken. Auch unser heutiges Wirtschaftssystem muss sich ändern. Wir müssen weg von Produkten auf Basis fossiler Rohstoffe und hin zu biobasierten Produkten. Die Wirtschaftsform der Zukunft ist die Bioökonomie. Sie basiert auf effizient genutzten nachwachsenden Rohstoffen. Denn auch erneuerbare Ressourcen sind nur beschränkt verfügbar oder wachsen nur langsam nach. Der sorgsame Umgang mit den vorhandenen Ressourcen hat deshalb immer Vorrang.

Die Papierindustrie ist der Champion der Bioökonomie
Die Papierindustrie trennt seit jeher Holz in seine Bestandteile und erzeugt aus den Holzfasern Papier- und Faserprodukte. Diese können bis zu sieben Mal recycelt werden. Reststoffe, die bei der Papierproduktion anfallen, dienen bereits jetzt der Herstellung von Nebenprodukten. So werden Essigsäure für Gurkerln und Vanillegeschmack oder Geruchstoffe für Parfums aus Holzbestandteilen gewonnen. Stoffe, die nicht mehr anders verwertbar sind, werden noch zu Ökostrom und -wärme. Damit liefert die österreichische Papierindustrie Ökoenergie für 100.000 Haushalte ins öffentliche Netz. Es stecken aber noch mehr Möglichkeiten im Holz. Umfassende Forschungs- und Entwicklungsarbeit hilft, diese Potenziale aufzuspüren. Eines dieser Projekte ist flippr2 (LINK), das neue Produkte im Holzbestandteil Lignin entdeckt. Doch für solche Forschung benötigen wir langfristig die politische Unterstützung. Während es für die energetische Verwertung von Holz zahlreiche Förderungen gibt, gibt es für neue Produkte keine Anreize. Hier hofft die Papierindustrie auf den Aktionsplan zur der Bioökonomiestrategie.

Die nationale Bioökonomie-Strategie
Am 13. März 2019 wurde im Ministerrat eine nationale Bioökonomie-Strategie für den Umstieg in eine erdölfreie Gesellschaft beschlossen. Von den Ministerien BMNT, BMVIT und BMF wurde dazu gemeinsam ein Dokument vorgelegt. Es beleuchtet unterschiedliche Aspekte von Rohstoffaufbringung über Konversions-Technologien bis zu den gewonnenen Produkten (Lebensmittel, stoffliche Produkte, Energie) und identifiziert Handlungsfelder, die ein Aktionsplan konkretisieren soll. Die Papier- und Zellstoffindustrie wird in der Strategie als weiter zu entwickelndes Stärkefeld anerkannt.

Biomasseverbrennung: Die Grenze der Bioökonomie
Die Strategie sieht das größte Rohstoffpotenzial im Holz. Doch auch im waldreichen Österreich wirkt sich der Klimawandel zunehmend negativ auf die Holzverfügbarkeit aus. Holz, das jetzt zuviel anfällt, wird in Zukunft fehlen. Zudem steigt die Nachfrage für andere Anwendungen wie den ökologischen Wohnbau. Die effiziente Nutzung von Holz hat deshalb eine Schlüsselrolle. Es muss im Sinne von Bioökonomie vorrangig für Produkte, Nebenprodukte und erst zum Schluss für Energie genutzt werden. In Bezug auf Biomasseanlagen ist es deshalb sinnvoller, die Brennstoff- und Ressourceneffizienz dieser Anlagen durch Investitionen zu steigern, um so ihren Weiterbetrieb durch Senkung der Betriebskosten ohne Tarifförderung zu ermöglichen.

Biomasseverbrennung: Die Grenze der Bioökonomie

Stellt man den Einsatz von 100 kg Holz als Rohstoff in der Papierindustrie der Nutzung als erneuerbarer Energieträger in einem Biomasseheizkraftwerk gegenüber, wird schnell klar, wie wichtig die effiziente Nutzung ist:

Während ich mit der im Biomasseheizkraftwerk gewonnenen Energie einen vierköpfigen Haushalt 3,4 Wochen lang mit Energie versorgen kann, erhalte ich beim Einsatz in der Papierindustrie durch die stufenweise/kaskadische Holznutzung eine Vielzahl nützlicher Produkte, die mehrmals wiederverwertet werden können. Zusätzlich kann ich aus den nicht mehr verwertbaren Reststoffen einen Haushalt 2,3 Wochen mit Energie versorgen.