Klima- und Energiestrategie

Integrierte Klima- und Energiestrategie

Am 28. Mai 2018 wurde die Klima- und Energiestrategie der österreichischen Bundesregierung beschlossen. Unter dem Namen #mission 2030 finden sich darin lösungsorientierte Ansätze, Maßnahmen, Zeithorizonte und Verantwortlichkeiten zur Erreichung der 2030 Ziele der Europäischen Union sowie der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens.

Im Einklang des Zieldreiecks mit den Eckpfeilern Nachhaltigkeit – Versorgungssicherheit – Wettbewerbsfähigkeit, soll die von Europa angestrebte Dekarbonisierung des Energiesystems erreicht werden. Dabei finden sich auch sehr ambitionierte Ziele wieder, wie das Ziel im Jahre 2030 den Gesamtstromverbrauch zu 100 % (national bilanziell) aus erneuerbaren Energiequellen im Inland zu decken. Eine sehr ehrgeizige Zielsetzung, vor allem wenn die E-Mobilität und die zunehmende Digitalisierung den Strombedarf weiter steigen lassen.

Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz sind kein Widerspruch
Um dieses Vorhaben möglichst rohstoff- und kosteneffizient zu erreichen, muss der wesentliche Teil der Aufbringung klar im Bereich der rohstoffunabhängigen Technologien, Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik erfolgen.Die Potentiale der Papier- und Zellstoffindustrie bieten sinnvolle Möglichkeiten und Flexibilitäten, die genutzt werden können. Durch ihren konstanten Verbrauch und ihre zunehmende Flexibilität auf der Bezugsseite, trägt die Industrie maßgeblich zur wirtschaftlich sinnvollen Stabilisierung des Stromsystems bei. Auch im Hinblick auf Engpass Management, Netzreserven und abschaltbare Lasten sowie die Nutzung von industrieller Abwärme auch im Niedertemperaturbereich, ist die Papierindustrie ein wichtiger Partner. Dahingehend finden sich in der Strategie klare Ansätze, bei denen die energieintensive Industrie als Teil der Lösung im Kontext zur Standortsicherheit und Versorgungssicherheit erkannt wird. Um diese Möglichkeiten auch nutzen zu können, muss das zukünftige Energiemarktdesign so gestaltet werden, dass es Unternehmen verstärkt ermöglicht wird ihre Flexibilitäten system- und netzdienlich zu vermarkten.

Biomasse sinnvoll nutzen
Viele der in der Klima- und Energiestrategie beschriebenen Lösungsansätze, sind potentiell bereits vorhanden. Dieses Potential muss als solches auch genutzt werden, bevor neue Anlagen gebaut werden. Das gilt insbesondere dann, wenn der Fokus auf die umfassend einsetzbare Biomasse gelegt wird. Die politischen Zielsetzungen streben nach einer erhöhten Verwendung erneuerbarer Ressourcen, folglich wird die Nachfrage nach Holz steigen. Neben der angedachten Wärmestrategie, bedarf es auch einer Holzversorgungsstrategie. Nur dadurch kann aufgezeigt werden in welchem Ausmaß Holz mobilisiert werden muss, um den prognostizierten Bedarf abzudecken. Wenn die Holzmobilisierung nicht gelingt und sich der Druck auf den wertvollen Rohstoff Holz erhöht, kommt es überall zu Versorgungsengpässen und sind zu vermeiden. Grundsätzlich sollte Holz in möglichst optimaler Kombination für stoffliche und energetische Verwendung eingesetzt werden. Ein klarer Fokus wird dabei auf das Energiegesetz neu gerichtet, das ab Herbst erarbeitet werden soll.

Papierindustrie als Vorreiter der Bioökonomie
Die immer stärker werdende Entwicklung der Bioökonomie liefert einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung und ist bei der Zielformulierung unserer Energiezukunft nicht außer Acht zu lassen. Der Rohstoff Holz wird von den Unternehmen der Zellstoff- und Papierindustrie ganzheitlich genutzt. In erster Linie werden höherwertige Produkte wie Papier und Zellstoff hergestellt, danach Nebenprodukte wie z.B. Tallöl, Essigsäure, Süßstoffe (Xylit), Aromastoffe (Vanillin) gewonnen und schlussendlich die stofflich nicht verwertbaren Bestandteile als Energieträger genützt. Damit sind die Unternehmen der Zellstoff- und Papierindustrie bereits heute Bioraffinerien und Vorreiter der Bioökonomie. Einen wesentlichen Beitrag kann die Zellstoffindustrie auch als Bioethanol-Hersteller leisten, die aus Reststoffen Bioethanol 2. Generation herstellt. Die Entwicklung der Bioraffinerien unserer Branche schreiten stetig voran. Intensive Forschungsarbeiten sollen es ermöglichen, zukünftig noch mehr Nebenprodukte aus dem wertvollen Rohstoff Holz zu gewinnen. Damit wird nicht nur die gewonnene Wertschöpfung für die Unternehmen, sondern auch die Effizienz der österreichischen Wirtschaft erhöht und der Anteil der Bioökonomie am Bruttoinlandsprodukt gesteigert. Das erkennt auch die Bundesregierung und kündigt eine Bioökonomiestrategie an, die ab 2019 erarbeitet werden soll.

CO2 Mindestpreis kritisch
Als „sinnvolle Ergänzung zum ETS“, erachtet die Bundesregierung die Einführung eines CO2-Mindestpreis auf europäischer Ebene. Zwar wird darauf hingewiesen, dass bei der Einführung eines solchen nationale Mechanismen eingeführt werden, die die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrie sicherstellen. Dennoch ist dieser Vorschlag äußerst kritisch. Schon heute weist Österreich erhebliche Nachteile bei den Energienebenkosten auf. Während Nachbarländer ihre energieintensive Industrie durch Refundierungen sowie Deckelungen von Abgaben und Steuerzahlungen bereits entlasten, hinkt Österreich hier hinterher. Im Vergleich zu Deutschland zahlt ein gleichwertiger Industriestandort rund 25 % mehr an Energiekosten pro Jahr. Ein CO2-Mindestpreis würde dieses Ungleichgewicht noch weiter verschärfen. Die Klima- und Energiestrategie ist mit Beschluss nun die Grundlage für alle Maßnahmen und Gesetzesänderungen der nächsten Jahre. Diese bestimmt die Klima- und Energiezukunft Österreichs.